Die Mostwaage des Herrn Oechsle

Bei Weinproben hört man oft im Zusammenhang mit der Besprechung des Weins, "sein Mostgewicht betrug 80 Grad Oechsle". Was heißt das?

Der Apotheker, Goldschmied und Physiker Ferdinand Oechsle, der als Zeitgenosse Napoleons in Pforzheim lebte, ärgerte sich oft über seinen Wein. "Wenn man den Zuckergehalt des Mostes messen könnte, müßte es möglich sein, die Entwicklung des Weins besser voraussehen zu können", sagte sich Oechsle und begann ein Instrument zur Messung des Mostgewichtes zu bauen. Das Resultat von Oechsles Arbeiten war eine thermometerähnliche Senkwaage. Sie ist in ihrer Grundform bis heute erhalten. Die Skala der normalen Oechsle-Waage reicht gewöhnlich von 0° im oberen Teil des Glasstabes bis 130° im unteren. Der Most kommt in einen Meßzylinder und wird auf eine Temperatur von 20° Celsius reguliert. Bleibt die Mostwaage bei 80° in der Schwebe, so spricht man von einem Mostgewicht von 80° Öchsle.

Das spezifische Gewicht des Mostes beträgt dann 1080 Gramm pro Liter. Umgerechnet hat ein solcher Most rund 80 Gramm Zucker pro Liter. Nach der Vergärung enthält der daraus gekelterte Wein einen reinen Alkoholgehalt von etwa 10,1 Volumenprozent.


Ohne Süße keine Gärung!


Der Most einer Normalernte eines mittelguten Jahrgangs hat in Deutschland im allgemeinen ein Mostgewicht zwischen 70-80° Öchsle. Je nach den Weinbaugebieten, der Rebsorte und den klimatischen Bedingungen können, innerhalb Deutschlands erhebliche Unterschiede auftreten. Man muß sich aber davor hüten, nach dem Öchslegewicht allein die Güte des Jahrgangs beurteilen zu wollen. Auch bei geringeren Mostgewichten können duftige, würzige Weine gekeltert werden. Man hat mit der Öchslezahl nur einen Maßstab zur Schätzung des voraussichtlichen Alkoholgehaltes. Geschmacksstoffe, Extraktgehalt, Säure und Duftstoffe stehen nicht in unbedingter Abhängigkeit zum Mostgewicht.

Bei Jahrgängen, die von der Sonne stiefmütterlich behandelt wurden und wo die Zuckerbildung der Trauben nicht ausreichte, um dem späteren Wein den notwendigen Alkoholgehalt zu geben, ist es in allen Weinländern der Welt üblich, dem Most vor der Gärung - und nur vor der Gärung - Zucker zuzusetzen, um das Mostgewicht zu erhöhen. Zugesetzter Zucker wird dann ebenso wie der in den Trauben vorhandene in Alkohol verwandelt und trägt zu einer Bereicherung des Buketts bei. Vorurteile gegen dieses Verfahren sind schlechthin unbegründet. Auch im Ausland können wie bei uns Qualitätsweine auf diese Weise in ihrer Güte gesteigert werden. Die Bekömmlichkeit der so verbesserten Weine steht außer Zweifel.

Ein strenges Weingesetz und eine qualitätsbewußte Anbaupolitik sorgen in Deutschland dafür, daß nur solche Moste verbessert werden dürfen, die ohne Anreicherung keine reifen, süffigen Qualitätsweine ergäben.

Die Anreicherung ist verboten zur Süßung der Weine (also ohne nachfolgende alkoholische Gärung) und bei allen Prädikatsweinen.


Deutsche Spitzenweine


Das Mostgewicht ist insofern eine wichtige Qualitätsaussage, als es angibt, wieviel Alkohol der Wein später haben wird. Deshalb ist auch für Spätlesen, je nach Anbaugebiet und Rebsorte, ein bestimmtes Mostgewicht vorgeschrieben, das in der Regel über 80° Öchsle liegt. Weine, welche die Bezeichnung Kabinett, Spätlese oder Auslese führen, dürfen selbstverständlich nicht aus gezuckerten Mosten hergestellt sein. Die Auslesen beginnen je nach Weinbaugebiet und Rebsorte um 83 Ö° und reichen bis etwa 120 Ö°.

Für Beerenauslesen gelten 120 Ö° als Untergrenze, für Trockenbeerenauslesen 150 Ö°. Bei diesen auf der ganzen Welt einmaligen und anerkannten Spitzenerzeugnissen des deutschen Weinbaus werden diese Mindestmostgewichte jedoch in der Praxis deutlich überschritten.

Übrigens sei zur Information gesagt: Der Name des Erfinders wird mit »Oe« geschrieben, das Mostgewicht amtlich aber mit »Ö« abgekürzt.

 

 

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